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Leipziger Volkszeitung

30.03.11 Ausgabe Borna-Geithain

Neue Pläne für Drei Rosen

Investor und Stadt arbeiten an einer Lösung / Gutachten zum Deckmalschutz steht noch aus

Rötha. Neue Pläne für den ehemaligen Gasthof Drei Rosen: Das leer stehende Grundstück am Markt in Rötha – seit vielen Jahren zum ruinösen Schandfleck verkommen – könnte bald aus dem Stadtbild verschwinden. Der Investor, der momentan in der Bahnhofstraße 6 eine Anlage für betreutes Wohnen baut, möchte diese noch erweitern und bis zum Markt bauen. Die Stadt sieht darin eine Chance zur Lösung von mehreren innerstädtischen Problemen.

Von SASKIA GRÄTZ

Tatsache ist: Der jetzige Zustand ist alles andere als schön. „Eine Lösung muss her“, sagt Bürger­meister Ditmar Haym. In den letzten Wochen habe es mehrere Beratungen in dieser Angelegenheit gegeben, informierte er in der jüngsten Stadtrats­sitzung. Der Stadtchef legte bereits einen ersten Entwurf des potenziellen Investors Sören Kokot, Geschäftsführer der Raphaelis GmbH, vor. Der möchte seine im Bau befindliche Anlage erweitern. Die erste Hürde für dieses Projekt wurde am Mittwoch voriger Woche genommen: der Grund­stückskauf. Die Immobilie Drei Rosen gehörte bekanntlich Gambrinus-Wirt Hagen Stüter. Dessen Visionen – eine Wiederbelebung des alten Kino­saals und der Gaststätte – waren finanziell wohl nie seriös untersetzt und spätestens seit dem Brand im Februar 2009 zunichte gemacht. Die Stadt habe die Immobilie „zur Sicherung der Planungen zurückerworben“, so Haym.

Eine andere Hürde ist der Denkmalschutz. Das Gebäude gehört zu den ältesten der Stadt, ein Stein im Keller weist die Jahreszahl 1440 aus. „Vermut­lich wurde es um diese Zeit errichtet“, sagt Hanne­lore Salbreiter vom Heimatverein. Übrigens stand es einst auf dem Markt, weil die Böhlener Straße geradlinig dahinter verlief. Drei Rosen wurde im Volksmund als Rathaus bezeichnet, weil dort Ver­sammlungen und Sitzungen der Stadt stattfanden.

Fachleute der Denkmalschutzbehörden haben sich bei zwei Vorortterminen ihr eigenes Bild gemacht. Erhaltenswert seien das Gewölbe im Kellerbereich und die Kutscherstube im Hochparterre. Im Übrigen sei von dem kulturhistorisch wertvollen Denkmal nicht mehr viel erhalten, fasste Haym zusammen. Investor und Stadtverwaltung wollen nun prüfen, inwieweit Drei Rosen in das Bauprojekt integriert werden kann. Denkbar sind mehrere Varianten, die vom Abriss und Neubau bis zur partiellen Nutzung der vor­handenen Bausubstanz reichen. Vorbehalt­lich einer denkmalrechtlichen Genehmigung. Ein entsprechendes Gutachten eines externen Sach­verständigen steht noch aus.

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Ob sich im Stadtrat eine Mehrheit für einen Abriss finden würde, bleibt abzuwarten. „Das ist nicht irgendein Gebäude. Wir sollten mit großem Feingefühl arbeiten“, gab Grünen-Stadtrat Uwe Hermann mit Blick auf das historische Erbe zu bedenken. „Ein Abriss wäre schade“, sagte Salbreiter gestern auf Anfrage.

Ein erster Entwurf für einen Neubau würde sich rein optisch gut ins Bild fügen. Drei Meter zurückversetzt wäre für die August-Bebel-Straße, eine viel befah­rene Durchgangsstraße, eine leichte verkehrstech­nische Entspannung machbar. Das Nadelöhr – die Kurve – bleibt. Ersatz für den Parkplatz hinter Drei Rosen, der nach den Plänen überbaut werden soll, könnte auf der anderen Seite entstehen. An einem weiteren Schandfleck, dem 1671 erbauten „Löwen“, könnten im hinteren Bereich brachliegende Industriebauten abgerissen und so Parkflächen geschaffen werden. Letzteres Thema wird in der Ausschusssitzung morgen Abend behandelt.

Eine 100-prozentige Lösung werde es nicht geben können, sagt Haym. Denkmalschutz sei zwar sehr wichtig. „Aber die Probleme, die seit 1995 brachliegen, schreien nach einer Lösung.“

Bildunterschrift: Der gegenwärtige Zustand: Der ehemalige Gasthof Drei Rosen bietet momentan ein trostloses Bild.
Foto: Günther Hunger